Wachstum mit Handbremse – deutsche Unternehmen und die Cloud

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Flexibilität, hohe Skalierbarkeit, Kostentransparenz – trotz vielfältiger Vorteile standen die Unternehmen im deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren der Technologie eher skeptisch gegenüber. Im internationalen Vergleich war das klar zu erkennen: Für die Studie „Business Cloud: The State of Play Shifts Rapidly: Fresh Insights into Cloud Adoption Trends“ befragte Capgemini im Jahr 2012 460 IT-Verantwortliche und Senior Business Manager von Großunternehmen. In Deutschland waren die Sicherheitsbedenken weltweit mit Abstand am höchsten, auch beim Thema Datenhoheit waren deutsche Unternehmen überdurchschnittlich besorgt.

Starker Aufwärtstrend

Das Vertrauen wuchs langsam aber stetig. Mitte des Jahres 2013 zeigte Analyst René Büst auf, dass die Bedeutung von und Nachfrage nach Cloud Computing hierzulande wuchs. Im Laufe des Jahres gewann diese Entwicklung an Momentum: In der IT-Trends-Studie, für die IT-Verantwortliche im September und Oktober 2013 befragt wurden, wurde eine sprunghafte Steigerung der Private-Cloud-Nutzung registriert. Bereits 30 Prozent der Gesamtleistung der IT werden von Unternehmen in der Region DACH bereits aus der Cloud erbracht – Tendenz steigend. Im Jahr zuvor waren lediglich 15 Prozent der Gesamt-IT-Leistung erzielt worden.

Trotz dieser starken Aufwärtsbewegung liegt die deutschsprachige Region weiter hinter dem internationalen Schnitt zurück. Das wirft die Frage auf, was gerade in DACH die CIOs und Unternehmen beim Thema Cloud so zögerlich macht. Sind es regionale Faktoren, die die Cloud-Nutzung hier stärker beeinflussen als anderswo? Ein Blick in verschiedene Studien und Untersuchungen gibt mehr Aufschluss darüber, woran die langsame Cloud-Adaption liegen könnte:

  • Die IT-Architektur und komplexe IT-Landschaften behindern die Migration
    Auch wenn immer mehr Unternehmen beschließen, sich von ihren Alt-Anwendungen zu trennen, kann eine neue Plattform nicht von einem Tag auf den anderen aufgebaut werden. NTT Europe befragte Mitte 2013 300 CIOs und leitende IT-Manager in europäischen Unternehmen zu ihren Cloud-Plänen. 81 Prozent der CIOs gaben an, dass ihre IT-Architektur die größte Hürde für die Migration in die Cloud sei. 58 Prozent der Befragten identifizierten die Komplexität ihrer IT-Landschaft als Hinderungsgrund, für die in erster Linie Legacy-Plattformen verantwortlich seien.
  • DACH-Unternehmen nutzen kaum Anbieter-Clouds
    Seit zwei Jahren beträgt der Anteil zugekaufter Cloud Services in den deutschsprachigen Ländern im Durchschnitt nur etwa vier Prozent. Demgegenüber werden jetzt fast 30 Prozent der IT-Leistungen über unternehmenseigene Clouds bereitgestellt. Diese Kapazitäten mussten allerdings zunächst einmal aufgebaut werden, was die Cloud-Adaption verzögerte.
  • Der Mittelstand muss die Compliance-Anforderungen erst noch definieren
    Großkonzerne nutzen häufiger externe Clouds als der Mittelstand. Ein naheliegender Grund dafür ist, dass sie aufgrund der Internationalität schneller entscheiden können, welche Daten wo gespeichert und verarbeitet werden können, ohne datenschutzrechtliche oder andere Risiken einzugehen. Der Mittelstand muss diese Regeln häufig erst noch definieren. Da die deutschsprachigen Länder mittelstandsgeprägt sind, gibt es hier sehr viele Unternehmen, auf die das zutrifft.
  • Es gibt kaum Clouds europäischer Anbieter mit Rechenzentren in Europa
    Der Hang zur eigenen Cloud wurde vor allem in Europa durch die NSA-Affäre, der Angst vor Industrie-Spionage und Datendiebstahl verstärkt. Seitdem haben viele Unternehmen ihre Einkaufsrichtlinien für Cloud Services verschärft und bevorzugen Angebote, bei denen die Informationen im eigenen Land oder innerhalb Europas gehostet werden. Davon gibt es aber noch nicht viele. Zwar erwägen immer mehr Anbieter, Rechenzentren in Europa aufzubauen und europäische Tochtergesellschaften zu gründen. Bis sie realisiert sind, wird es aber noch einige Zeit dauern.


Mit der Cloud stellen die Anbieter Kostenvorteile, bessere Orientierung am Bedarf und schnelle Partizipation an Innovationen als wesentlichen Nutzen heraus. Trotzdem war in DACH in den vergangenen Jahren das Verhältnis zur Cloud von Zurückhaltung geprägt. Die Ergebnisse der IT-Trends-Studie 2014 zeigen allerdings, dass möglicherweise ein Wendepunkt erreicht sein könnte. Unternehmen haben ihre Kapazitäten im Kontext der eigenen Cloud ausgebaut und nutzen sie bereits extensiv. Allerdings spielt die Public Cloud immer noch eine untergeordnete Rolle. Dabei kann die Datenschutzdebatte der vergangenen Zeit auch eine Chance für europäische und deutsche Cloud-Anbieter sein, ihre Position gegenüber ihren amerikanischen Wettbewerbern auszubauen. Dann könnten auch die Nutzer in DACH von Cloud-Diensten profitieren und den in Aussicht gestellten Nutzen für ihre Anwendungslandschaft realisieren.

 

Thomas Heimann, Principal Architect, Capgemini

Thomas Heimann, Principal Architect, Capgemini

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